Neue Sachlichkeit

Während die Frühzeit der Industrialisierung den fast schon dekadenten Expressionismus hervorbrachte, wurden die 1920er-Jahre vom Baustil der „neuen Sachlichkeit“ geprägt. Dies hatte mehrere Gründe, zum einen wurden in Großstädten die Bauplätze knapp, zum anderen sollte die Zweckhaftigkeit der Gebäude im Vordergrund stehen. Geprägt wurde die „neue Sachlichkeit“ weitgehend vom damals revolutionären Bauhaus der Universität Weimar, für das sich Walter Gropius verantwortlich zeigte. Man spricht hierbei auch vom sogenannten „Bauhausstil“, obwohl es sich dabei nicht um eine eigene Stilrichtung, sondern nur um die am Bauhaus gelehrten Theorien handelt, die von vielen Architekten, Künstlern und Handwerkern umgesetzt wurden.

AOK_Mannheim

Hervorragende Beispiele für den Baustil der neuen Sachlichkeit sind das noch heute benutzte AOK-Gebäude in Mannheim sowie der ehemalige „Roxy Palast“ in Berlin-Friedenau. Man erkennt deutlich, dass der Nutzwert der Gebäude im Vordergrund stand. Es gibt keine aufwändigen Dachkonstruktionen, Die einzelnen, klar voneinander abgrenzten Stockwerke werden lediglich von einem Flachdach bedeckt, alle Fenster haben die gleiche Größe und bilden exakt eine Linie.

(Foto: dhm.de)

(Foto: dhm.de)

Trotz der hohen Akzeptanz hat es der Bauhausstil nie wirklich über die Landesgrenzen deutschsprachiger Länder hinaus geschafft. Lediglich der später in die USA ausgewanderte Walter Gropius konnte den Amerikanern mit dem PanAm-Gebäude in New-York ein Stück seiner Lehren näher bringen. Auch heute noch nutzt man viele Elemente der „neuen Sachlichkeit“ im Sozial- und Wohnungsbau, da es hier meist darauf ankommt, kostengünstig und effizient zu arbeiten. Offiziell wurden Bauhausstil und die neue Sachlichkeit jedoch längst vom Postmodernismus abgelöst.