Die Kultur der 1920er in Hamburg

Himmel auf Zeit ist Katalog und Fachliteratur zugleich, erzählt Geschichten, legt den Fokus aber auf die Fakten und kümmert sich als Thema rund um die Hamburger Kultur der 1920er-Jahre. Auf 420 Seiten findet man im von Dirk Hempel und Frederike Weimar herausgegebenen Buch eine Sammlung von Aufsätzen über einzelne Themengebiete angefangen bei Theater und Literatur bis hin zur Raumgestaltung und Gartenbau.

Inhaltsangabe

(Foto: Abendblatt.de)

(Foto: Abendblatt.de)

Zunächst gibt Andreas Stuhlmann einen kurzen, einführenden Blick der Nordmetropole zur Zeit der Weimarer Republik, analysiert Parteien und deren Anhänger und lässt die Turbulenzen zwischen Hyperinflation, Massenaufständen und den „goldenen Zwanzigern“ noch einmal aufleben. Michaela Giesing beleuchtet danach die Theaterszene, geht auf traditionelle Stücke ein, lässt aber auch die neuen, expressionistischen Vertreter nicht außen vor. Die Literaturszene der Hansestadt wird von Dirk Hempel analysiert und mit Fakten belegt. Er geht vor allem auf die Unterschiede zwischen Lokalliteraten und der gesamten Weimarer Republik ein. Hierbei werden auch die einzelnen Stilrichtungen der Autoren berücksichtigt. Im Fokus des Aufsatzes von Nele Lipp steht der Tanz, die Abwendung von klassischen Standardtänzen und das Aufkommen moderner Formen wie Jazztanz und Swing.

Selbstverständlich werden auch hier lokal ansässige Künstler und Tänzer bedacht. Die rasante Entwicklung des Films, die Kinokultur und die rasante Neugründung von Schauspielschulen sind das Thema der Autorin Corinna Müller, während das Dreigespann aus Hans-Werner Heister, Hanjo Polk und Sonja Neumann sowohl auf die in Gesamtdeutschland und Preußen gemochte und gehörte Musik als auch auf lokale Unterschiede beim Musikgeschmack eingeht. Hierbei wird vor allem der Trend zur jüdischen Musik analysiert. Das „neue Medium“ Radio ist Thema des Aufsatzes von Hans-Ulrich Wagner. Auch die Architektur verlebte in den 20er-Jahren einen großen Umbruch und wird von Jörg Schilling aufgegriffen, um einige der beeindruckendsten Gebäude Hamburgs zu beleuchten. Für Ina Ewers Schultz geht es in ihrem Aufsatz mehr um das „Innere“ der Gebäude und sie arbeitet die Übergangszeit zwischen Expressionismus und „neuer Sachlichkeit“ heraus. Burcu Dogramaci hat sich die Fotografen und Künstler der Hansestadt genauer angesehen, analysiert die Arbeiten und zeigt Trends und Entwicklungen. Die Letzte im Bunde ist Ursula Kellner und für sie geht es um die Garten- und Landschaftsgestaltung im Hamburg der 1920er-Jahre.

Resümee

„Himmel auf Zeit“ ist keine typische Fachliteratur, jedoch ordentlich genug recherchiert, um auch Interessierte an Fakten und Statistiken zufriedenstellen zu können. Selbstverständlich darf man keine Belletristik erwarten, dennoch ist in den weitläufigen Aufsätzen auch Platz für Humor und Gefühl an passender Stelle, wenn zum Beispiel auf berühmte Hamburger Persönlichkeiten eingegangen oder von kulturellen Ereignissen erzählt wird. Die einzelnen Kategorien sind locker miteinander verknüpft, es gibt Querverweise und Bezüge, ansonsten sind sie inhaltlich voneinander getrennt.