Das Festival

cyber_KluthHamburg, im Jahre 2010. Überall sieht man Plakate mit Frauen, die so gar nicht in das Stadtbild passen, denn abgesehen davon, dass die Schwarz-Weiß-Aufnahmen neben den heutigen Farbschönheiten etwas an Glanz verlieren, passen auch Frisur und Mode nicht ganz in das 21. Jahrhundert. Am ungewöhnlichsten ist jedoch, dass die Frau auf dem Foto ganz genüsslich an einer Zigarette zieht. Und das, obwohl Zigarettenwerbung bereits seit Jahren verboten ist. Selbstverständlich handelt es sich bei den Plakaten jedoch nicht um eine neue Form der Zigarettenwerbung, sondern man wirbt für das Festival „Himmel auf Zeit“, das während der viermonatigen Dauer den Menschen des 21. Jahrhunderts die Weimarer Republik, die Nachkriegszeit des ersten Weltkrieges und die „goldenen Zwanziger“ näher bringen soll.

Rahmenprogramm

Das Festival fand im Rahmen des „Hamburger Kulturfrühlings“ von März bis Juni 2010 statt, insgesamt gab es mehr als 100 Veranstaltungen, Ausstellungen, Buchlesungen und Filmvorführungen. Im Mittelpunkt standen neben zeitgenössischen lokalen Berühmtheiten auch solche, die in Gesamtdeutschland (und Preußen) zur Kultur beitrugen. Namentlich geht es dabei um die Ausdruckstänzerin Mary Wigman, die Dichter Klaus und Erika Mann oder den Architekten Karl Schneider, der versuchte, das Weimarer Bauhaus in der Hansestadt zu etablieren. Natürlich hört die Berühmtheit dieser Menschen knapp hinter der Stadtgrenze auf, als echter Hamburger – und die werden beim Festival hauptsächlich angesprochen – hat man aber mindestens schon einmal von ihnen gehört.

(Foto: NDR/Historische Fotosammlung)

(Foto: NDR/Historische Fotosammlung)

Auch für Geschichtsinteressierte wird einiges geboten. Man hat die Nachkriegszeit, den Aufschwung und Abstieg der Weimarer Republik, die Hyperinflation und natürlich die „goldenen Zwanziger“ noch einmal aufgearbeitet und sie in einzelnen Häppchen auf verschiedene Ausstellungen verteilt. So durfte man im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe die Bilder gleich vier Hamburger Fotografinnen bestaunen, die sich nicht davor scheuten, Armut und Elend während der Hyperinflation zu dokumentieren, die jedoch im Kontrast auch die ausgelassenen Feste, das Tanzen auf den Straßen und die Freude der Menschen aufnahmen, als es dann endlich vorbei war. „Die zerbrochenen Spiegel“ ist ein historischer Fund einer expressionistischen Tanzpantomime, die an der Hamburger Hochschule für bildende Künste nach über achtzig Jahren uraufgeführt wird. Auch die Hamburger Universität beteiligt sich, ein Mal pro Woche gibt es eine neue Ringvorlesung mit ständig wechselnden Themen rund um die Literatur der Weimarer Republik.

Eine einmalige Sache

Obwohl die Beteiligung und die Akzeptanz des Festivals relativ hoch war, hat sich die Reemtsma-Stiftung, welche für die Finanzierung verantwortlich war, entschlossen, kein weiteres Festival mehr zu organisieren. „Himmel auf Zeit“ wird also bis auf Weiteres eine einmalige Sache bleiben und so schnell nicht zurückkehren. Dies ist nicht weiter verwunderlich, wenn man die eingeschränkte Zielgruppe und den enormen Organisationsaufwand bedenkt, der hinter dem viermonatigen Festival stand.